Der Mariazeller Gründerweg – Unterwegs auf den Spuren der Entstehung Mariazells

Der Mariazeller Gründerweg ist mehr als ein Pilgerweg – er ist eine Reise zu den Ursprüngen eines der bedeutendsten Wallfahrtsorte Mitteleuropas. Auf rund 200 Kilometern folgt der Weg den historischen Spuren des Mönchs Magnus, der im Jahr 1157 vom Benediktinerstift St. Lambrecht aus aufbrach, um die Marienstatue nach Mariazell zu bringen und damit den Grundstein für die spätere Wallfahrtsstätte zu legen.

Heute verbindet der Gründerweg beeindruckende Landschaften, jahrhundertealte Kulturräume und spirituelle Kraftorte zu einem einzigartigen Gesamterlebnis. Er führt durch alpine Täler, über aussichtsreiche Pässe und durch stille Wälder, vorbei an Klöstern, Kirchen und Orten regionaler Geschichte. Schritt für Schritt entsteht Raum für Entschleunigung, Reflexion und persönliche Begegnung – mit der Natur, der Geschichte und sich selbst.

Der Mariazeller Gründerweg lädt dazu ein, bewusst unterwegs zu sein: als Pilgerin oder Pilger, oder als Entdeckerin und Entdecker einer Region, in der Weg, Ziel und Geschichte untrennbar miteinander verbunden sind.

Etappe 6: Von Aflenz nach Gußwerk – Über Almen, Pässe und historische Wegmarken

Die sechste Etappe des Mariazeller Gründerwegs zählt zu den landschaftlich abwechslungsreichsten Abschnitten der gesamten Route. Sie verbindet das offene Hochschwabgebiet mit den sanften Übergängen Richtung Mariazell und führt durch eine eindrucksvolle Kulturlandschaft, die seit Jahrhunderten von Reisenden geprägt ist.

Ausgehend von der Pfarrkirche in Aflenz verlässt man schrittweise den Ort und taucht entlang des Feistringgrabens in eine ruhige, bewaldete Berglandschaft ein. Der Weg steigt stetig an und führt hinauf zum Hackentörl auf rund 1.300 Metern Seehöhe. Hier öffnet sich erstmals der Blick auf die umliegenden Gipfel und Almen – ein Ort zum Innehalten, Durchatmen und Ankommen im Rhythmus des Gehens.

Über die Hackenalm und vorbei an der Enzianhütte geht es weiter Richtung Seewiesen. Dieser Abschnitt verbindet alpine Weite mit bäuerlicher Kulturlandschaft und lädt dazu ein, den Blick schweifen zu lassen. In Seewiesen lohnt ein Besuch der Pfarrkirche St. Leonhard, einer traditionsreichen Wallfahrtskirche, die seit Jahrhunderten Pilgerinnen und Pilger auf ihrem Weg nach Mariazell begleitet.

Nach dem Seebergsattel öffnet sich der Weg erneut und führt vorbei am Brandhof Erzherzog Johanns bei Gollrad – einem historischen Ort, der eng mit der Entwicklung der Region und der Idee eines verantwortungsvollen Umgangs mit Natur und Landwirtschaft verbunden ist. Der weitere Verlauf durch das Ramertal und den Brunngraben bringt die Pilgerinnen und Pilger schließlich hinunter ins Salzatal. Mit jedem Schritt rückt Mariazell näher, spürbar nicht nur in der Landschaft, sondern auch in der inneren Haltung.

Der Tagesabschluss in Gußwerk markiert einen wichtigen Übergang: von den weiten Almen des Hochschwabs hinein in den unmittelbaren Einzugsbereich des bedeutendsten Wallfahrtsortes Mitteleuropas. Eine Etappe, die körperlich fordert, geistig öffnet und lange nachwirkt.

Etappe 7: Von Gußwerk nach Mariazell – Ankommen am Ziel

Die siebente und letzte Etappe des Mariazeller Gründerwegs ist kurz, aber reich an Symbolik. Nach Tagen des Unterwegsseins verdichtet sich hier die Geschichte des Weges zu einem eindrucksvollen Finale – getragen von Legenden, Ausblicken und dem Gefühl des Ankommens.

Von Gußwerk folgt der Weg zunächst der Salza, teilweise entlang der historischen Bahntrasse. Sanft und beinahe meditativ nähert man sich dem Sigmundsberg, wo eine kleine Kapelle mit weitem Blick auf Mariazell wartet. Von hier aus ist erstmals die Basilika sichtbar – ein Moment, der viele Pilgerinnen und Pilger tief berührt und den langen Weg innerlich abrundet.

Weiter geht es vorbei am Ursprungsfelsen bei Rasing, einem zentralen Ort der Mariazeller Gründungslegende. Der Überlieferung nach versperrte hier ein Fels dem Mönch Magnus den Weg. Erst nach einem Gebet zur Gottesmutter soll sich der Fels gespalten und den Weg freigegeben haben. Noch heute ist die markante Felsformation sichtbar und lädt dazu ein, über Hindernisse, Vertrauen und Neubeginn nachzudenken.

Der letzte Abschnitt führt schließlich entlang der Allee hinauf zur Basilika Mariä Geburt. Mit jedem Schritt wächst die Vorfreude, bis man schließlich den Hauptplatz von Mariazell erreicht. Hier endet der Weg – und beginnt zugleich etwas Neues. Die Begegnung mit der Gnadenstatue, das Verweilen in der Basilika und das Ankommen im Ort geben Raum für Dankbarkeit, Reflexion und Stille.

Die siebente Etappe ist kein sportlicher Abschluss, sondern ein bewusster Übergang vom Unterwegssein zum Innehalten. Sie macht deutlich, warum der Mariazeller Gründerweg mehr ist als eine Wanderroute: Er ist ein Weg zu sich selbst – und zu einem Ort, der seit Jahrhunderten Menschen verbindet.